Konzert-Rezension: Eliot Quartett

Kammerkonzert

Sonntag, 27. Oktober 2019

19.30 Uhr, Bürgerhaus Telgte

 

Maryana Osipova – Violine

Alexander Sachs – Violine

Dmitri Hahalin – Viola

Michael Preuss – Violoncello


Westfälische Nachrichten vom 29.11.2019

von Andt Zinkant

Fülle musikalischer Überraschungen

Telgte. Wer Kammermusik sagt, denkt nicht sofort an Russland. Wie ungerecht das ist, zeigte das junge und grandiose Eliot Quartett. "Russische Klangfarben" hieß das Konzert - und es hielt eine Fülle musikalischer Überraschungen und überschäumender Klänge bereit, die das Publikum begeisterten.

 

Welcher Kammermusikfreund im Bürgerhaus wusste zum Beispiel, dass Prokofjews Opus 92 zu den attraktivsten Quartetten des 20. Jahrhunderts zählt? Das liegt nicht zuletzt an den folkloristischen Anleihen der Musik, die sich ihren rhythmischen Elan aus dem einen oder anderen russischen Dorftanz holt. Man staunte sofort über die euphorisch wilde Eröffnung, die scharfen harmonischen Gewürze im Adagio und die vielen, vielen Pizzicato-Passagen. Die vergeistigte Aura des Quartett-Genres wirbelt Prokofjew mit seinem legendären Ideenreichtum hinweg.

 

Maryana Osipova (Violine), Alexander Sachs (Violine), Dmitri Hahalin (Viola) und Michael Preuss (Cello) warfen sich mit Elan in dieses F-Dur-Prachtstück. Eröffnet hatten die Vier (stammend aus Russland, Kanada und Deutschland) indes mit dem ersten Streichquartett von Dmitri Schostakowitsch. Und auch hier gab es viele Überraschungen: Der sonst so oft trauervolle Komponist, der die Leiden des Zweiten Weltkrieges symphonisch verarbeitete, gibt sich hier verblüffend heiter und unbekümmert. Was jedoch nicht heißt, dass man seine typisch karge Klangzeichnung - etwa zwischen Viola und Cello im zweiten Satz oder die wilde Schärfe im Allegro - nicht sofort wiedererkennen würde.

 

Am Ende stand Tschaikowskys drittes Streichquartett, das die Zuhörer schließlich in die Romantik entführte. Es begann mit einer romanzenhaften Violinmelodie, die von den drei anderen Streichern begleitet wurde. Ungewöhnlich, aber auch verständlich - ist das Stück doch im Gedenken an einen Violinisten von Tschaikowsky komponiert worden. Ein melancholischer Tonfall, dem Primgeigerin Maryana Osipova mit sensibler Bogenführung nachspürte. Der langsame "Trauer-Satz" (Andante funebre) gehört zum Ausdrucksstärksten von Tschaikowsky überhaupt.

 

Das Eliot-Quartett benannte sich übrigens nach dem amerikanischen Schriftsteller T. S. Eliot, der mit seinem poetischen Werk "Four Quartets" Beethoven huldigte. Ein Russe hätte als Namenspatron für die "Eliots" ebenfalls gut gepasst.