Konzert-Rezension: Duo Fateyeva - Huang

Kammerkonzert

Sonntag, 24. November 2013

19.30 Uhr, Bürgerhaus Telgte

 

Asya Fateyeva - Saxophon

Miao Huang - Klavier

Reichlich Applaus gab es am Ende ihres Auftritts für Asya Fateyeva (Saxophon) und Miao Huang (Klavier) beim Kammerkonzert des Kulturfreundeskreises am Sonntagabend im Bürgerhaus.


Westfälische Nachrichten vom 26.11.2013

von Thomas Biniossek

Entrückender Hauch der Leichtigkeit

Kammerkonzert mit Asya Fateyeva und Miao Huang / Mut zum anspruchsvollen Ungewöhnlichen

Telgte. Es gehört eine gehörige Portion Mut dazu, mit einer Kombination von Saxofon und Klavier ein kammermusikalisches klassisches Konzert zu geben. Die junge Saxophonistin Asya Fateyeva und Miao Huang am Klavier, die bereits im Frühjahr ein Gastspiel im Bürgerhaus gab, wagten das - und der lange Applaus am Ende dieses außergewöhnlichen Konzerts bestätigte die beiden souverän auftretenden Musikerinnen.

 

Mut bewiesen Huang und Fateyeva jedoch nicht nur mit der Instrumentenwahl, sondern auch mit dem anspruchsvollen Programm. Nicht Bach, Beethoven oder Mozart standen darauf, sondern Prokofjew, Schostakowitsch, Poulenc und Franck: Zwei russische und zwei französische Komponisten, Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts wirkend wurden von den Künstlerinnen unter dem Thema "à la russe et à la française" präsentiert. Doch keiner der vier schuf seine Kompositionen für Saxofon und Klavier (sondern für Klavier mit Oboe, Violine oder Flöte), sodass spätere Überarbeitungen bei diesem Konzert zum Tragen kamen.

 

Mit dem späten Werk Francis Poulencs "Sonate op. 185" stellten Fateyeva und Huang die Konzertbesucher vor eine erste Hör-Herausforderung. Im Original für Klavier und Oboe komponiert, arbeiteten die Musikerinnen vor allem in den Pianopassagen hervorragend zusammen. Selbst technisch schwierige Stellen meisterte Fateyeva mit dem Sopransaxophon meisterlich.

 

William Shakespeares Tragödie "Romeo und Julia" ist nicht nur die berühmteste Liebesgeschichte der Weltliteratur, sondern von vielen Komponisten vertont worden. So auch von Prokofjew (1891-1953), dessen 1935 entstandenes Ballet Opus 64 sich dieser tragisch endenden Liebe widmet. Im Auszug aus dem Prokofjew-Werk "junge Julia" zeigten sich die Musikerinnen in den technisch anspruchsvollen Auszügen meisterlich. In der Zugabe kehrten Fateyeva/Huang zu "Romeo und Julia" zurück und spielten beeindruckend die Abschiedsszene. Fast mochte man den Schmerz der Liebenden spüren.

 

Noch vor der Pause wagten sich die Künstlerinnen an Prokofjews Sonate D-Dur op. 94, spielten traumwandlerisch sicher das Scherzo, wunderbar einfühlsam. Und sie ließen im Allegro einen Gewittersturm auf die Zuhörer prasseln, sicher und exakt im Zweiklang.

 

Mit drei der 24 Präludien für Klavier op. 34 von Dimitri Schostakowitsch (1906-1975), einem Zeitgenossen Prokofjews und von Diktator Stalin geächtet und lediglich geduldet, bewies Asya Fateyeva mit dem Altsaxofon ihre unglaubliche Musikalität, virtuos begleitet von Miao Huang am Flügel.

 

Selbst Miao Huang war klar, dass sie und ihre Partnerin den Konzertbesuchern bis dato schwere Kost geboten hatten und versprach mit einem Augenzwinkern, mit César Francks (1822-1890) Sonate A-Dur eine Rückkehr zur "klassischen" Musik.

 

Fast märchenhaft, ja wunderbar harmonisch mit dem satten Klang des Altsaxofons präsentierten sich die Künstlerinnen beim Allegro, einfühlsam dann in der Fantasia, mutig und fordernd im Allegretto. Sowohl in den leisen, stillen als auch den lauten, drohenden Passagen erzählten die beiden eine Geschichte, fast ein wenig Weltschmerz, dann wieder unbändige Freude. Und Asya Fateyeva zeigte, dass das Holzblasinstrument Saxofon, erfunden 1840 von Adolphe Sax, nicht nur jazzig gespielt werden kann. Sie übernahm mit warmer Stimme vor allem in den dunklen Tönen die Führung, wundervoll ergänzt durch das Klavier. Fast entrückend dieser Hauch der Leichtigkeit des Seins.