Konzert-Rezension: Duo Sokolov - Imani

Kammerkonzert

Sonntag, 16. September 2007

19.30 Uhr, Bürgerhaus Telgte

 

Pavel Sokolov - Oboe

Kimiko Imani - Klavier


Westfälische Nachrichten vom 18.09.2007

von Dr. Johannes Hasenkamp

Es muss nicht original sein

Kammerkonzertsaison des Kultur-Freundekreises eröffnet

Telgte. Der Kammermusikabend von Pavel Sokolov (Oboe) und Kimiko Imani (Klavier) enthielt als Höhepunkt die Klaviersonate Nr. 4 c-moll op. 29 von Sergej Prokofiev. Mit dem Auftritt des Duos eröffnete der Kultur-Freundeskreis am Sonntag im Bürgerhaus seine Wintersaison. Die Ankündigung "für Oboe und Klavier" führte zu der Frage: Gibt es überhaupt so viel Literatur für diese Besetzung?

 

Gibt es nicht! So ist die eröffnende Sonate g-moll BWV 1020 von Bach original eine Sonate für Violine. Und Schumann hat "Adagio und Allegro" op. 70 für Horn und Klavier geschrieben, und die bekannte beliebte "Sicilianne" op. 78 von Gabriel Fauré war für Cello und Klavier bestimmt. Das ändert ein wenig den Charakter des Abends, doch angesichts der feinfühligen und virtuosen Ausführung konnte man leicht darüber hinwegsehen.

 

Den ganzen Abend über war die Einigkeit von Oboist und Klavierspielerin zu bewundern und zu genießen. Ob im weit ausholenden gesanglichen Adagio oder den leicht flott und energisch gespielten Allegri: Man konnte überlegen, wie es wohl mit Horn klingen würde und empfand in der Besetzung des Abends keinen Mangel. Die "Sicilianne" bekam durch das Blasinstrument einen zauberhaften Klang.

 

So ergab sich kein Bruch zu der folgenden originalen und galanten Sonate für Oboe und Klavier op. 166 von Camille Saint-Saens. Serenaden- und Abendstimmung standen hier zwischen virtuosen und tänzerisch- federleichten Partien. Gegensätzliche Empfindungen wirkten auch in Poulencs Sonate für Oboe (ursprünglich Klarinette und Klavier von 1962. Mehr der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts verpflichtet erschien das "Poem" für Oboe und Klavier von der kurz nach dem Zweiten Weltkrieg geborenen Russin Marina Dranischnikova.

 

Immer wieder war der Oboist Pavel Sokolov zu bewundern: ruhig und sicher, gleichsam spielerisch leicht und unangestrengt, mit schmalem, festem und feinem Ton.

 

Zwischen den Werken mit Oboe stand Prokofievs Klaviersonate Nr. 4 c-moll op. 29. Kimiko Imani war ganz in das Werk versunken, gestaltete intensiv das traurig verschattete Allegro bis zu einem frohgemuten Leben mit Zartgefühl und Übermut. Das Werk wurde zum besonderen Erlebnis des Abends.

 

Unter den Zugaben fesselte ein "Siziliano" von Bach, von der Pianistin wie auf einer Laute gezupft begleitet.