7. Kammerkonzert
Sonntag, 22. März 2026
19.30 Uhr, Bürgerhaus Telgte
Bassfeld 9 / 48291 Telgte
Yuliia Van - Violine
Lukas Rothenfußer - Violoncello
Jung Eun Séverine Kim - Klavier
Das international renommierte Jasper Trio überzeugte sein Publikum im Bürgerhaus. Foto: Axel Engels
Westfälische Nachrichten vom 24.03.2026
von Axel Engels
Mit feinem Gespür für Klangfarben
Jasper Trio fasziniert im Bürgerhaus
Telgte. Das siebte Kammerkonzert im Bürgerhaus Telgte, veranstaltet vom Kulturfreundeskreis, erwies sich als ein Abend musikalischer Intensität. Schon der programmatische Titel „Befreiungsschläge“ erwies sich dabei nicht als bloße rhetorische Setzung, sondern als tiefgreifender interpretatorischer Schlüssel, der sich wie ein roter Faden durch das gesamte Konzert zog und sowohl die Werkauswahl als auch deren Deutung durch das international renommierte Jasper Trio auf eindrucksvolle Weise bestimmte.
Bereits in den ersten Takten von Robert Schumanns Klaviertrio Nr. 1 d-Moll op. 63 zeigte sich, mit welcher Ernsthaftigkeit, klanglichen Sensibilität und interpretatorischen Reife die drei jungen Musikerinnen und Musiker sich diesem anspruchsvollen Repertoire nähern. Yuliia Van an der Violine, Lukas Rothenfußer am Violoncello und Jung Eun Séverine Kim am Klavier entwickelten aus dem düsteren, spannungsgeladenen Beginn des Werkes heraus eine klangliche Erzählung, die von innerer Unruhe, leidenschaftlichem Drängen und zugleich von bemerkenswerter struktureller Klarheit geprägt war.
Die vielschichtigen emotionalen Zustände, die Schumann in diesem Werk bündelt, wurden so in all ihren Facetten nachvollziehbar. Es gelang dem Ensemble, die Balance zwischen expressiver Intensität und kammermusikalischer Transparenz zu wahren, was sich insbesondere im engen dialogischen Zusammenspiel der Stimmen zeigte. Keine der drei Instrumentalstimmen dominierte; vielmehr entstand ein lebendiges, atmendes Geflecht, das die Zuhörenden unmittelbar in die musikalische Gedankenwelt hineinzog.
Vor dem Hintergrund der Entstehungsgeschichte des Werkes, das als eine schöpferische Ausweichbewegung innerhalb von Schumanns Arbeit an seiner Oper „Genoveva“ verstanden werden kann, gewann diese Interpretation zusätzliche Tiefe. Das Trio ließ spürbar werden, wie sehr in dieser Musik ein Moment der Befreiung, aber auch der inneren Zerrissenheit und des Suchens angelegt ist.
Die lyrischen Passagen wurden mit großer Innigkeit und feinem Gespür für Klangfarben gestaltet, während im Scherzo Esprit und Leidenschaft aufblitzten. Im Finalsatz schließlich bündelten sich die zuvor entwickelten Spannungen zu einer dramatischen Steigerung, die das Publikum in ihren Bann zog.
Anschließend führte das Trio in die ebenso komplexe wie emotional aufgeladene Klangwelt von Antonín Dvořáks Klaviertrio Nr. 3 f-Moll op. 65, das in seiner Entstehungsgeschichte ebenfalls als Werk der Krise gelesen werden kann. Auch hier überzeugte das Jasper Trio mit einer Interpretation, die sowohl die dramatischen Kontraste als auch die feinen inneren Verästelungen der Musik freilegte.
Die existenzielle Dringlichkeit dieser Musik wurde eindrucksvoll zum Ausdruck gebracht, ohne dabei die formale Struktur aus dem Blick zu verlieren. Bemerkenswert war, wie differenziert das Ensemble mit dynamischen Abstufungen umging, wie sorgfältig Übergänge gestaltet wurden und wie organisch sich Spannungsbögen entwickelten. Die Musik erschien nicht als Abfolge einzelner Episoden, sondern als in sich schlüssiger, emotional nachvollziehbarer Prozess, der das Publikum auf eine Reise durch Zweifel, Schmerz und Hoffnung bis hin zu neu gewonnener innerer Stärke mitnahm.
Besonders hervorzuheben ist das Zusammenspiel der drei Musikerpersönlichkeiten, das von intensivem Zuhören und einer ausgeprägten gemeinsamen Gestaltungsidee geprägt war. So entstand eine kammermusikalische Kommunikation, die weit über das rein Technische hinausging und eine klare künstlerische Haltung erkennen ließ. Im langsamen Satz, der zu den eindringlichsten Momenten des Abends zählte, gelang es dem Trio, eine Atmosphäre großer Intimität und Nachdenklichkeit zu schaffen.
Das Ensemble gestaltete eine packende, emotional aufgeladene Interpretation, die den Bogen zurück zum programmatischen Leitgedanken des Abends schlug. Das Jasper Trio zeigte sich als Ensemble, das in der Lage ist, solche komplexen Zusammenhänge nicht nur analytisch zu durchdringen, sondern sie auch klanglich erfahrbar zu machen. So wurde dieses Konzert im Bürgerhaus Telgte zu weit mehr als einer bloßen Darbietung zweier bedeutender Werke des romantischen Repertoires.
