5. Kammerkonzert
Sonntag, 18. Januar 2026
19.30 Uhr, Bürgerhaus Telgte
Bassfeld 9 / 48291 Telgte
Lukas Stappenbeck – Sopran-Saxophon
Anže Rupnik - Alt-Saxophon
Sandra Rijavec - Tenor-Saxophon
Benjamin Reichel – Bariton-Saxophon
Sergey Markin – Klavier
Das Kölner Xenon Saxophone Quartet präsentierte sein Programm „Symphonic Dances“. Für Sergei Rachmaninows „Sinfonischen Tänzen op. 45“ erweiterte sich das Quartett um den Pianisten Sergey Markin. Fotos: Axel Engels
Westfälische Nachrichten vom 21.01.2026
von Axel Engels
Präzision, rhythmische Wachheit und ein feines Gespür
Kammerkonzert im Bürgerhaus
Telgte. Das fünfte Kammerkonzert am Sonntagabend im Bürgerhaus wurde zu einem eindrucksvollen musikalischen Erlebnis. Der Saal war bestens gefüllt, was die besondere Stellung dieses Konzertabends innerhalb der Reihe deutlich unterstrich.
Mit dem Programm „Symphonic Dances“ kehrte das Kölner Xenon Saxophone Quartet auf ausdrücklichen Wunsch des Publikums nach Telgte zurück und bestätigte eindrucksvoll, warum dieses Ensemble seit Jahren zu den international beachteten Hoffnungsträgern der Kammermusik zählt. Bereits mit den ersten Klängen von György Ligetis „Sechs Bagatellen“ wurde klar, dass hier nicht nur technische Brillanz, sondern vor allem ein tiefes stilistisches Verständnis und eine außergewöhnliche Ensemblekultur zu erleben waren.
Die sechs Miniaturen, die in dem vom Komponisten autorisierten Arrangement von Fabian Oehrli erklangen, forderten höchste Präzision, rhythmische Wachheit und ein feines Gespür für Klangfarben, Eigenschaften, die das Quartett mit beeindruckender Selbstverständlichkeit vereinte. Ligetis avantgardistische Modernität erschien nicht als sperriges Experiment, sondern als lebendige, oft ironisch eingefärbte Musik, deren innere Spannung durch klare Artikulation, pointierte Akzente und fein abgestufte Dynamik unmittelbar erfahrbar wurde.
Dabei zeigte sich sofort die besondere Qualität des Zusammenspiels, bei dem vier individuelle Künstlerpersönlichkeiten zu einer Einheit verschmolzen, ohne dabei ihre Eigenständigkeit aufzugeben. Einen starken Kontrast zu diesen Miniaturen bildete César Francks „Prélude, Fugue et Variations op. 18“, das in der Bearbeitung für vier Saxophone eine überraschend intime und zugleich farbenreiche Gestalt annahm. Ausgehend von der ursprünglichen Orgelfassung orientierte sich das Xenon Saxophone Quartet eng an der Vorlage, erweiterte sie jedoch um dynamische Entwicklungen und klangliche Nuancen, die auf der Orgel nur eingeschränkt realisierbar sind. So entstand eine Interpretation von großer innerer Ruhe und spiritueller Dichte, in der besonders das Prélude mit seinem schwebenden Charakter und die Fugue mit ihrer klaren architektonischen Struktur überzeugten.
Die Variationen schließlich entfalteten eine fast meditative Wirkung, getragen von warmen Klangfarben, langen Melodiebögen und einem sensiblen Gespür für Spannungsaufbau. Hier wurde deutlich, wie sehr das Ensemble nicht nur an klanglicher Schönheit interessiert ist, sondern an der Durchdringung der musikalischen Substanz und ihrer emotionalen Aussage.
Mit Johann Sebastian Bachs „Italienischem Konzert in F-Dur BWV 971“ setzte das Quartett einen weiteren stilistischen Akzent und zeigte zugleich die zeitlose Wandlungsfähigkeit barocker Musik. Die Bearbeitung für vier Saxophone machte die dialogische Anlage des Konzerts transparent und lebendig, indem solistische und tuttiartige Passagen klar voneinander abgesetzt wurden. Rhythmische Präzision, tänzerische Leichtigkeit und eine bemerkenswerte Transparenz prägten das Spiel, wobei besonders der langsame Satz mit seiner gesanglichen Innigkeit und seiner konzentrierten Ruhe zu einem Moment des Innehaltens wurde. Johann Sebastian Bach erschien hier nicht historisierend, sondern frisch und unmittelbar, getragen von einem Klangideal, das Klarheit und Wärme auf überzeugende Weise verband.
Nach der Pause erreichte das Konzert mit Sergei Rachmaninows „Sinfonischen Tänzen op. 45“ seinen emotionalen Höhepunkt. Für dieses Werk erweiterte sich das Quartett um den Pianisten Sergey Markin, der seit vielen Jahren eng mit dem Ensemble verbunden ist. In dieser Besetzung entfaltete sich eine kammermusikalische Version von erstaunlicher orchestraler Größe, die dennoch ihre Transparenz bewahrte. Rachmaninows spätromantische Klangwelt, durchzogen von Melancholie, rhythmischer Energie und existenzieller Dramatik, wurde mit großer Hingabe und Ausdruckskraft gestaltet.
Markins kraftvolles und zugleich hochsensibles Klavierspiel bildete das klangliche Fundament, auf dem sich die vier Saxophone mit beeindruckender Geschlossenheit entfalteten. Besonders eindrucksvoll gelang es den Musikern, die emotionale Tiefe und die innere Zerrissenheit der „russischen Seele“ hörbar zu machen, ohne dabei ins Pathetische zu verfallen. Der zweite Satz mit seinem gespenstischen Walzercharakter und der Finalsatz mit seinen eruptiven Steigerungen und dem zitierten Dies-irae-Motiv entwickelten eine mitreißende Dramatik.
