Konzert-Rezension: Duo Amaris

Liederabend

Sonntag, 14. Januar 2018

19.30 Uhr, Bürgerhaus Telgte

 

Julia Spies – Mezzosopran

Jesse Flowers – Gitarre

Mezzosopranistin Julia Spies und der Gitarrist Jesse Flowers sorgten als Duo Amaris für einen wahren Hörgenuss. Das Publikum war restlos begeistert. Foto: Zinkant


Westfälische Nachrichten vom 16.01.2018

von Arndt Zinkant

Das spanische Feuer lodert

Telgte - Julia Spies und der Jesse Flowers sorgten als Duo Amaris dafür, dass sich ihr Publikum nach dem Konzert restlos zufrieden auf den Heimweg machte.

 

Wer das klassische Kunstlied mit Gitarrenbegleitung präsentiert, hat meist eines im Sinn: Den Kunstcharakter der Lieder etwas aufzulockern und sich auf ihre volkstümlichen Wurzeln zu besinnen – salopp gesagt: Frack und Abendkleid gegen lockere Garderobe zu tauschen. Der Kunst schadet das nicht. Jedenfalls, wenn man es mit so viel Verve und Könnerschaft zelebriert wie die Mezzosopranistin Julia Spies und der Gitarrist Jesse Flowers (Duo Amaris). „Wandeln auf der Kippe zwischen Volks- und Kunstton“, nannte die Sängerin das. Ihr Publikum im Bürgerhaus war restlos begeistert.

 

Bei John Dowland war das Arrangement dicht beim Original: Der berühmte Lautenist der Shakespeare-Zeit hatte seine sehnsüchtigen Lieder dem Volkston abgelauscht. Die sieben Songs aus „The first book of songs“ wurden von Spies und Flowers gut interpretiert. Allerdings: Der archaische Lautenklang mit Countertenor wäre doch angemessener gewesen. Dann zieht einen das berühmte „Come again, sweet Love“ magisch ins elisabethanische Zeitalter.

 

Bei Johannes Brahms aber ging die Gleichung völlig auf. Wiederum sieben seiner „49 deutschen Volkslieder“ hatte sich das Duo Amaris herausgesucht. Und die brahmsische Schwere, die wir so gut kennen (und doch lieben), war im Nu verflogen, besonders bei „Da unten im Tale“, das mit bayerischer Mundart daherkam. Liedgesang ist bei Julia Spies Herzenssache: Mit lebendiger Mimik, den Text mit beiden Händen greifend, stand sie auf dem Podium. Die (klar: sieben) Lieder von de Falla im Finale ließen hinreißend spanisches Feuer lodern.

 

Der junge Gitarrenmeister Jesse Flowers war kongenialer Begleiter, der sich – Gegensatz zum legendären Gerald Moore – nie fragen muss, ob er wohl „zu laut“ sei. Ein Solostück gab ihm Gelegenheit, die Palette seines virtuosen Könnens auszureizen: Die Gitarren-Sonate von Alberto Ginastera (1916-1983). Ein Effekt-Feuerwerk, das die Saiten vibrieren ließ und die Gitarre teils zum Schlagzeug umwidmete.

 

Auch Julia Spies ließ sich solo hören. Luciano Berios Avantgarde-Musik „Sequenza III per voce femminile“ war ein skurriler Parforceritt aus Gesang, Glucksen, Zungenschnalzen und affektiertem Lachen. Die Lizenz dafür wurde von ihr vorab schelmisch erteilt: „Wenn Sie lachen müssen, tun Sie es ruhig.“